Was ist, wenn ein Kind bestimmte Gebiete immer meidet?

Die herkömmliche Schule bereitet meist darauf vor, dass die Schüler Befehle befolgen und sehr viel Langeweile aushalten können. Das ist ein Modell, das ab jetzt nicht mehr gebraucht wird. Die Wirtschaft von morgen braucht Schulen in denen man lernt selbst zu denken und selbstbestimmt zu handeln, ohne Disziplinierung und Unterdrückung. (Frithjof Bergmann)

Vermeidungsstrategien entstehen oft durch Konkurrenzdruck, durch Zwang, durch eine zu frühe Beurteilung oder ein Festschreiben der kindlichen Persönlichkeit auf Schwächen. Da dies bei uns nicht passiert, können Kinder unbelastet auf neue Bereiche zugehen, und in der Regel tun sie dies auch.

Da es keine klar abgegrenzten "Fächer" gibt, ist es möglich alle Gebiete spielerisch miteinander zu verknüpfen und so erst gar keine Hemmschwellen entstehen zu lassen. Beispielsweise ist es nicht möglich zu kochen ohne zu rechnen, ein neues Brettspiel zu verstehen ohne zu lesen, ein gemeinsames Bastelprojekt zu machen ohne Pläne zu zeichnen, usw.

Es kommt daher so gut wie nie vor, dass ein Kind gewisse Gebiete beharrlich meidet. So wie kein Kind auf die Welt kommt und beschließt, niemals gehen oder sprechen zu lernen, so beschließt auch kein Kind in Mathematik ewig zu stagnieren oder Schrift zu ignorieren. In ganz seltenen Fällen passiert es - meist aufgrund angeborener oder früh erworbener Teilleistungsschwächen - doch, und dann besteht die Gefahr, dass seine Entwicklung darunter leidet. Durch den Vergleich mit anderen kann es sich dann, trotz aller sozialer Unterstützung, ausgegrenzt fühlen und das Gefühl bekommen, den Anschluss nicht mehr zu bekommen.

Dann ist es Sache der Pädagoginnen - in Absprache mit den Eltern und eventuell der Zuziehung von Experten - die Ursache zu suchen und das Kind bei der Überwindung der Hürde zu unterstützen. Treten Vermeidungsstrategien auf, ist es uns wichtig, mit den Kindern sehr ehrliche Gespräche zu führen: "Ich habe das Gefühl, du tust dir hier besonders schwer... Ich könnte mir vorstellen, dass es blöd für dich ist, dass deine Freunde das schon schneller können... Soll ich dir helfen, dass du es auch lernst?" Es passiert fast nie, dass ein Kind darauf antwortet: "Nein, interessiert mich nicht" Im Gegenteil - die Reaktion ist so gut wie immer Dankbarkeit und eine ungeheure Motivation, sich den Schwierigkeiten zu stellen. Wenn ein Kind merkt, dass es mit seinen Problemen gesehen, akzeptiert und nicht allein gelassen wird, braucht es sie nicht zu verbergen und kann - mit der Begleitung von Erwachsenen - daran arbeiten. In solchen Fällen treffen wir mit den Kindern Vereinbarungen (z.B. täglich eine gewisse Zeit mit dem Schreiblehrgang zu arbeiten, täglich mit einer Betreuerin Materialarbeit zu machen,...) auf deren Einhaltung wir dann auch achten.

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